Wie Floortimespiel das Verhalten und Gehirn eines Kindes verändern kann

Das menschliche Gehirn ist ein soziales Gehirn. Um sich formen und vernetzen zu können, braucht es unbedingt andere Menschen, da es sich nur mihilfe von zwischenmenschlichen Beziehungen entwickeln kann. Prof. Stuart Shanker und sein Forschungsteam am MEHRIT-Centre in Canada zeigten in ihrer herausragenden Studie, wie sich das Gehirn von Kindern mit einer Autismusdiagnose durch spielerische Interaktion mit einem einfühlsamen Spielpartner verändert, und wie sich dies messen und wissenschaftlich plausibel nachweisen läßt.

Autistischen Kindern Bruecken Bauen „Dann wird das Kind tatsächlich von selber in Beziehung treten wollen“

‚Alle Kinder haben den Trieb zu sozialer Interaktion und wollen in Beziehung sein und sich angenommen fühlen. Es ist die Essenz des Menschseins. Aber für das Kind mit Autismus bestehen hier biologische Herausforderungen, die Interaktionen qualvoll oder unangenehm machen. Wenn wir also herausfinden können, was diese Faktoren sind, und wie man reduzieren könnte, was das Kind als so unerträglich und stressvoll erlebt, dann wird das Kind tatsächlich von selber in Beziehung treten wollen.‘ (CBC News 2018)

Prof. Stuart Shanker
Kanadas führender Experte in der psychophysiologischen Theorie und Anwendung der Selbstregulation

Entwicklungsfördernde Interventionen wie DIRFloortime sind evidenzbasiert

Im Lichte einer sich ändernden Evidenzbasis erschien am 9. November 2020 im Journal of the American Medical Association (JAMA) ein bahnbrechender Artikel zu Interventionsempfehlungen für Kinder mit Autismus. Denn in den letzten Jahren hat sich das Spektrum der empirisch gestützten Interventionsansätze, die durch RCTs gestützt werden, grundlegend geändert, – mit Implikationen für Therapieanbieter und Kostenträger. Während traditionell Verhaltenstherapeutische Interventionen mit eher strukturierten, von Erwachsenen angeleitete Interventionen im Vordergrund standen, bezeugen RCT-gestützte Studien für entwicklungsfördernde Interventionen wie DIRFloortime mit ihrem kind-zentrierten Fokus auf emotional-stimmige spielerische Interaktion, die in den Kontext der täglichen Routine integriert ist, eine zunehmend größere Evidenzbasis. 

In diesem Video zeigen Prof. Stuart Shanker und Kollegen Ausschnitte aus der DIRFloortimetherapie mit einer Familie und wie sich das Gehirn des Kindes und sein Verhalten im Verlauf verändert haben.

 

Autistischen Kindern Bruecken Bauen „Messbare Veränderungen in den Gehirnen dieser Kinder als Ergebnis der Floortimebehandlung“

Die Ergebnisse, die wir nach 1 Jahr Elterncoaching und DIRFloortimetherapie in Tristans Gehirn sehen, sind unglaublich, – vor allem in der Amygdala. Das ist der Teil des Gehirns, der dafür verantwortlich war, daß Tristan sich ängstlich, aufgedreht und wie hyperaktiv fühlte. Vor der Behandlung war Tristan’s Amygdala außerordentlich aktiv. Nach der Behandlung ist das Computerbild halb so hell: Tristan’s Amygdala hat sich beruhigt. Und die Gehirnteile, die ihm helfen, sich auf soziale Signale einzulassen, Mimik und Gesichtsausdruck von Anderen zu lesen, sind jetzt aktiv: Tristans Gehirn hat sich tatsächlich verändert, und zwar dramatisch, denn man kann 2-3 mal so viele Veränderungen in diesen Aktivitätszentren sehen. Es ist, als ob Tristans soziales Gehirn plötzlich aufgewacht wäre.‘ Und bemerkenswerterweise fand Jim Stieben diese Veränderungen nicht nur bei Tristan, sondern in den Gehirnen von den meisten Kindern in der Studie. ‚Ich würde sagen, das ist einer der großartigsten Untersuchungsbefunde. Solchen außergewöhnlichen Ergebnissen bin ich in meiner ganzen Laufbahn als Wissenschaftler noch nie begegnet, – daß wir total robuste Veränderungen in den Gehirnen dieser Kinder als Ergebnis der Floortimebehandlung sehen und bildlich zeigen können.“

Jim Stieben
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am MEHRIT Centre, Canada

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