Viele Eltern machen sich Sorgen darüber, was ihre Kinder essen oder nicht essen, und wie sie mit wählerischem Essverhalten am besten umgehen sollten. Hier sind 14 Tipps für klare Regeln und Routinen, um Mahlzeiten harmonisch zu gestalten und Konflikte beim Essen zu vermeiden.
# 1: Respektiere den Appetit deines Kindes, oder das Fehlen von Appetit
Wenn das Kind keinen Hunger hat, sollte man es nicht zu einer Mahlzeit oder einem Snack zwingen. Auch sollte man das Kind nicht dazu drängen oder zwingen, bestimmte Lebensmittel zu essen oder seinen Teller leer zu essen. Das würde nur einen Machtkampf um das Essen entfachen – oder verstärken. Ausserdem assoziiert das Kind die Essenszeit dann möglicherweise mit Angst und Frustration. Am besten sollte man ihm kleine Portionen servieren, die es leicht aufessen kann, um es nicht zu überfordern und ihm die Möglichkeit zu geben, von sich aus nach mehr zu fragen.
# 2: Minimaler Speiseplan für ein Kind bis zu etwa 5 Jahren (Dr. Brazelton):
Wenn du dir Sorgen machst, dass dein Kind nicht viel isst, dann denk daran, dass kleine Kinder mit einem minimalen Speiseplan aus erstaunlich wenig Nahrung gut zurechtkommen können:
ein halber Liter MILCHPRODUKTE: Milch/ Joghurt/ Käse/ Milcheis oder 250g Käse, z. B. 1 Tag: Müsli mit Milch + 1 Joghurt + Käse (so groß wie eine kleine Streichholzschachtel!)
100 g Eiweiß (+ Eisen): Fisch, Fleisch, Ei, Getreide/Brot, Bohnen/Linsen oder 1 Eisenpräparat, z.B. 1 Tag: 1 Ei + etwas Vollkornbrot/Fisch/Bohnen/Halm/Fleisch
50 g frisches Obst/ Fruchtsaft, z.B. 1 Tag: ½ Glas Orangensaft oder ½ Apfel/Orange, einige Weintrauben
1 (Stück) Gemüse oder 1 Multivitamintablette, z.B. 1 Tag: ein paar Erbsen, etwas Karotte/Tomate/Gurke/Brokkoli, …
# 3: Eine unterstützende Atmosphäre bei den Mahlzeiten schaffen
Es ist wichtig, dass ein Kind eine Zeit lang sitzen bleiben kann, damit es seine Aufmerksamkeit auf das Essen, sein Hungergefühl, auf Geschmack und Konsistenz richten und erkennen kann, wann es satt ist. Deshalb sollte man eine Umgebung schaffen, die das Kind unterstützt, mit einem geeigneten Stuhl und Tisch (Höhe, Platz, Licht) und einer ruhigen Essensatmosphäre, mit der Erwartung, dass es beim Essen sitzen bleibt. Es ist ratsam dem Kind beizubringen, dass es sich ZUERST hinsetzen soll, bevor DU ihm zu essen oder zu trinken gibst, und Herumwandern mit Essen oder Trinken zu verhindern.
# 4: Hilfreiche Regeln für Mahlzeiten festlegen
Damit dein Kind lernt, lange genug am Tisch zu sitzen, um sich satt zu essen, ist es wichtig, dass es ein Gefühl dafür entwickelt, wann es satt ist (und nicht aufhört zu essen oder aufsteht, sobald es keinen Hunger mehr hat, d. h. nach ein paar Bissen). Iß also mit deinem Kind und erwarte von ihm, dass es so lange sitzen bleibt, bis „Mamas Bauch voll ist“, d. h. anfangs mindestens 10, später 20-30 Minuten.
# 5: Routinen schaffen und beibehalten
Etabliere eine Routine mit regelmäßigen Essenszeiten am Tag. Es dauert 3-4 Stunden, bis ein Kind Hunger verspürt, d.h. bereit ist, essen zu wollen. Servier die Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten jeden Tag etwa zur gleichen Zeit, bei einem mäkeligen Esser: immer am gleichen Platz. Stell zum Essen Saft oder Milch bereit, und biete zwischen den Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten Wasser an. Wenn du dem Kind erlaubst, den ganzen Tag über Saft oder Milch zu trinken, oder auch zu viel Wasser, verringert das seinen Appetit auf die Mahlzeiten.
# 6: Geduld haben mit neuen Nahrungsmitteln
Kleine Kinder berühren oder riechen oft an neuen Nahrungsmitteln und nehmen vielleicht sogar winzige Stücke in den Mund und spucken sie wieder aus. Ein Kind muß mit einem Nahrungsmittel immer wieder in Berührung kommen (mindestens 9 mal oder noch öfter! Manche sagen bis zu 19 mal!), bevor es den ersten Bissen nimmt, ißt und runterschluckt. Ermuntere dein Kind, indem du über Farbe, Form, Geruch und Beschaffenheit des Nahrungsmittels sprichst, und nicht darüber, ob es gut schmeckt. Es ist auch sehr wichtig, immer auch neue Nahrungsmittel zu servieren zusammen mit den bevorzugten Speisen des Kindes.
# 7: Tischabfalleimer oder Spucknapf bereitstellen
Erlaube dem Kind, Nahrungsmittel, die es nicht mag, auszuspucken, indem du ihm einen „Spuckbecher/ Spucknapf“ oder einen „Tischeimer“ auf dem Tisch zur Verfügung stellst (z. B. einen großen leeren Joghurtbecher: das ‚ist nicht mehr zu sehen‘ eines hohen Behälters ist wichtig!). Auf diese Weise kann das Kind sich sicherer fühlen, neue Nahrungsmittel auszuprobieren, ohne Angst haben zu müssen, sie herunterschlucken zu müssen. Später kann dies durch eine sozialverträglichere „Spuck-Serviette“ ersetzt werden.
# 8: Fantasie benutzen, damit es Spaß macht
Man kann mit Phantasie und ohne großen Aufwand Brokkoli und anderes Gemüse mit einem Lieblingsdip oder einer Lieblingssauce servieren, die Lebensmittel mit Ausstechern in verschiedene Formen schneiden, einen Berg aus Kartoffelpüree mit Brokkolibäumen, Blumenkohlschafen und orangefarbenen Karottenblüten machen. Man kann Frühstücksspeisen zum Abendessen anbieten, und eine Vielzahl von bunten Lebensmitteln (z. B. Karotten, Erbsen, rote Paprika) und mit diesen ein Gesicht oder Bild darstellen.
# 9: Das Kind als Helfer miteinbeziehen
Bitte dein Kind im Supermarkt dir zu helfen, Obst, Gemüse und andere gesunde Lebensmitteln auszusuchen. Kaufe nichts, wovon du nicht willst, daß dein Kind es ißt. Ermutige dein Kind zu Hause, dir beim Spülen, Schälen und Schneiden von Gemüse zu helfen, Teig zu rühren, Salatsoße in einem Marmeladenglas zu schütteln … und den Tisch zu decken, mit Platzdeckchen, Servietten, Besteck und leeren Tellern und Tassen für alle (und nicht nur für sich selbst!), einem Krug Wasser, – und vielleicht sogar mit einer Blumenvase oder einer Kerze, damit es noch etwas anderes zum Anschauen und Reden gibt.
# 10: Mit gutem Beispiel vorangehen
Wenn du selbst abwechslungsreich und gesund ißt, wird sich dein Kind daran orientieren. Wenn man den Tisch mit Servierschüsseln deckt, von denen sich jeder selbst bedient, kann das Kind sehen, was und wie viel andere essen, wie viel Essen übrig ist, wer was mag usw. Es ist ratsam, nicht mehr als 3 bis 4 verschiedene Speisen zu servieren, die auch „die Speisen des Kindes“ enthalten, anstatt ihm spezielle oder andere Speisen zu servieren.
# 11: Kreativ sein
Man kann gehackten Brokkoli oder Grünkohl zu Spaghettisauce, Obststücke, Sprossen oder geraspelte Zucchini und Karotten zu Müsli oder Aufläufen und Suppen hinzufügen.
# 12: Ablenkungen minimieren
Schalte den Fernseher und andere elektronische Geräte während der Mahlzeiten aus. Das hilft dem Kind, sich auf das Essen zu konzentrieren und auf Gespäche während der Mahlzeiten und Kommunikation miteinander. Denk daran, dass die Fernsehwerbung auch das Verlangen deines Kindes nach zuckerhaltigen/ungesunden Lebensmitteln weckt. Bis sich ein gesundes Sitz- und Essverhalten etabliert hat, sollte man dafür sorgen, dass Attraktionen wie der Roller des Kindes oder anderes Spielzeug außer Sicht- und Reichweite weggeräumt sind.
# 13: Nachspeise NICHT als Belohnung anbieten
Wenn man einem Kind den Nachtisch verweigert, vermittelt man ihm die Botschaft, dass der Nachtisch das bessere Essen ist, was sein Verlangen nach Süßem nur noch verstärken wird. Vielleicht kann man ein oder zwei Mal in der Woche einen Nachtisch vorschlagen und den Rest der Woche darauf verzichten – oder man definiert das Dessert neu als Obst, Joghurt oder andere gesunde Gerichte.
# 14: Sich NICHT zum Schnellimbiß-Koch machen
Wenn du eine separate Mahlzeit für dein Kind zubereitest, sobald es die ursprüngliche Mahlzeit ablehnt, fördert dies mäkeliges Essen. Hilf deinem Kind, während der vorgesehenen Essenszeit (anfangs 10 Minuten) am Tisch sitzen zu bleiben, – auch wenn es nichts isst. Biete dem Kind immer wieder gesunde Gerichte an, bis es diese kennt und bevorzugt.
Noch ein paar Ideen:
- Wenn du dir Sorgen machst, dass wählerisches oder mäkeliges Essen das Wachstum und die Entwicklung deines Kindes beeinträchtigt, solltest du dich als erstes an deinen Kinderarzt wenden.
- Es ist außerdem ratsam, Art und Menge der Nahrungsmittel, die dein Kind isst, drei Tage lang aufzuschreiben. Das Gesamtbild kann dir helfen, deine Sorgen zu zerstreuen oder besser einzuordnen. Ein Ernährungstagebuch kann auch dem Arzt deines Kindes helfen, eventuelle Probleme festzustellen.
- Gleichzeitig solltest du daran denken, dass sich die Essgewohnheiten deines Kindes nicht von heute auf morgen ändern werden, – aber die kleinen Schritte, die du jeden Tag unterimmst, können dazu beitragen, dass es sich ein Leben lang gesund ernährt.