Zeichnen ist viel vielseitiger und kreativer als Schreiben, – und viel einfacher und direkter. Es ermöglicht dem Kind, seine inneren Bewegungen, Vorstellungen und Gefühle auszudrücken und sichtbar zu machen. Schon ein Strich auf Papier verrät uns etwas darüber, was das Kind empfindet: Eine sehr schwache, blasse Linie sagt uns etwas ganz anderes als ein kräftiges, leuchtend orangefarbenes Gekritzel.

Das Therapeutische Formzeichnen verbindet nonverbale Kommunikation mit Sinneswahrnehmung und  findet anfangs Hand-über-Hand statt: während das Kind die warme und erdende Berührung des Erwachsenen spürt, wenn dieser den Wachsmalstift Hand-über-Hand über das Papier führt und es sieht, wie dieser sichtbare, farbige Linien hinterlässt. Dabei kommen einfache gerade und geschwungene Linien, die Grundelemente des Schreibens, in langsamen, vorhersehbaren Rhythmen zur Anwendung, um eine unendliche Vielfalt an Mustern und schönen Motiven zu schaffen. Hierbei werden Wahrnehmung, Bewegung und Denken miteinander verbunden.

Geführtes Therapeutisches Formzeichnen ist besonders hilfreich für antriebsschwache, ziellose und autistische Kinder, um die erdende Wirkung des Drucks der Wachsmalkreide und der Bewegung von Arm, Hand und Fingern beim Ziehen einfacher, zielgerichteter Linien zu spüren. Für den Erwachsenen ist die Umsetzung sehr einfach, da lediglich ein paar Blatt Papier und 1–2 Wachsmalkreiden benötigt werden.

Später, oder mit anderen Kindern, lässt sich Formenzeichnen auch als eigenständige Aktivität zur Entwicklung vieler grundlegender Fähigkeiten nutzen: 

 

  • Wahrnehmen und Nachvollziehen von Formen: Das Kind lernt, Formen nicht nur anzuschauen, sondern ihre Gesetzmäßigkeit und Gestalt innerlich und sensorisch zu erfahren.
  • Bewegung und Form: Die Hand folgt einer Bewegung, aus der eine Form entsteht. Wahrnehmung und Motorik werden dadurch eng miteinander verbunden.
  • Auge-Hand-Koordination: Sehen und spüren, voraussehen und planen verbinden und steuern die Bewegung der Hand entsprechend.
  • Motorische Planung: Eine Form verlangt eine Abfolge von Bewegungen, Richtungswechseln, Übergängen und eine gewisse Vorausplanung.
  • Raumorientierung: Symmetrie, Richtung, Begrenzung, Innen und Außen sowie räumliche Beziehungen werden unmittelbar erfahren.
  • Konzentration und Impulskontrolle: Eine Form soll nicht beliebig, sondern aufmerksam und zunehmend kontrolliert ausgeführt werden.
  • Vom Erleben zum Denken: Die äußere Bewegung wird allmählich zu einer inneren Vorstellung der Form. Damit verbindet Formenzeichnen motorische Erfahrung mit zunehmend abstraktem Denken.
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