Die Waldon-Methode und DIRFloortime arbeiten mit unterschiedlichen Werkzeugen, verfolgen aber ein gemeinsames Ziel: die umfassende, ganzheitliche Entwicklung des Kindes in seiner individuellen Einzigartigkeit. Während DIRFloortime die zwischenmenschliche Beziehung stärkt, stärkt die Waldon Methode das innere Selbstwirksamkeitsgefühl durch aktives Tun in Beziehung mit der Welt der Dinge. In Kombination bilden sie ein kraftvolles Fundament für inklusives, entwicklungssensibles Lernen:

‚Es ist eine wunderbare Methode für die Kinder. Darüber stellen sich in kurze Zeit Veränderungen bei Eltern und Kind ein. DIR Floortime dabei mitzudenken, bzw. beides zu kombinieren macht allen unheimlich viel Spaß.‘, schreibt eine Kollegin im Anschluss an einen Waldonkurs.

DIRFloortime
• Fokus vor allem auf die interaktive, zwischenmenschliche Seite der Entwicklung: Beziehung, Kommunikation, Affekt, Symbolentwicklung
• gibt dem Kind Wärme, Sicherheit, Nähe & Resonanz

Waldon
• stärkt die individuelle, kognitive, handlungsorientierte Seite: Selbstwirksamkeit, Exploration, aktives Lernen durch Bewegung, Greifen, Tun und Hantieren
• gibt dem Kind Klarheit, Sicherheit, Struktur & Handlungskompetenz

Die Waldon Methode hilft dem Kind, durch Bewegung ins eigene Tun mit den Händen zu kommen, Struktur zu erleben, Realitätsprinzipien zu verstehen und auf diese Weise kognitive Grundlagen aufzubauen. Sie schafft damit die Erfahrungsebene, auf der ‚Frühe‘ Kinder grundlegende Erfahrungen mit Raum, Richtung, Ursache-Wirkung und Objektkonstanz körperlich erleben und verstehen lernen können, unabhängig von Sprache oder sozialer Interaktion. DIRFloortime nutzt diesen Raum, um emotionales Wachstum und Beziehungserfahrungen gezielt zu fördern, und schafft die Beziehungsebene, d.h. das "sichere emotionale Feld", in dem Lernen überhaupt erst möglich wird.

In Beziehung treten mit Herz und Händen
Beide Entwicklungsbereiche laufen anfangs parallel und treffen sich dann in dem Entwicklungsfeld, das in DIRFloortime als Fähigkeit zur Triangulation und gemeinsamem komplexen Problemlösen (FEDC 4) beschrieben wird. Hier ist das Kind jetzt zunehmend in der Lage gemeinsam mit einem anderen Menschen an einem bestimmten Thema oder Problem über einen längeren Zeitraum partnerschaftlich zusammenzuarbeiten, ohne sich aus dem Kontakt zurückziehen zu müssen.

Dies entspricht dem komplementären Entwicklungsstadium, das Geoffrey Waldon als ‚Kontinuanzfähigkeit‘ bezeichnete, d.h. die Fähigkeit, mit der Welt der Dinge aktiv in Beziehung zu treten, Muster zu erkennen und Handlungen über längere Zeit mit zunehmender Ausdauer zu verfolgen, z.B. Gegenstände der Reihe nach gezielt von einem Ort an einen anderen zu bewegen, Entscheidungen bewusst umsetzen und neue Variationen planen zu können.

Während DIRFloortime hier die emotionale und soziale Dimension einbringt, legt die Waldon-Methode die motorisch-kognitiven Grundlagen. Zusammen helfen sie dem Kind, sowohl „mit dem Herzen“ als auch „mit den Händen“ in Beziehung mit seiner Welt zu treten. Diese beiden Stränge laufen in der frühen Entwicklung immer parallel, und sollten auch in der Förderung beachtet werden, denn Kinder brauchen sowohl die emotionale Sicherheit der Beziehung als auch die Möglichkeit, eigenständig und in ihrem Tempo aktiv im ungestörten Alleinspiel zu lernen und die Welt zu begreifen.

A holistic view of man
Das diesen Ideen zugrundeliegende ganzheitliche Menschenbild geht von universalen, im Menschen grundsätzlich angelegten Fähigkeiten und Potentialen aus, die sich bei ausreichend förderlichen Gegebenheiten entwickeln können, unabhängig von Behinderung, Beeinträchtigung oder Diagnose. Hierin unterscheiden sich beziehungs-orientierte Entwicklungsansätze wie DIRFloortime und die Waldon Methode fundamental von behavioristischen Methoden, die Autismus für einen ‚angeborenen‘ Defizit oder biologischen Defekt halten, der durch Training und Therapie lediglich durch angepasstere Verhaltensweisen kompensiert und in seinen störenden Symptomen modifiziert werden könne.

Im Unterschied hierzu basiert das DIR Modell auf der Annahme, dass Gefühle und emotional stimmige Beziehungen grundlegend sind für alle folgenden Entwicklungen eines Kindes, einschließlich Sprache, Kognition, Spiel, Lernen, soziales Verhalten, während die Waldon Methode diese Ziele unterstützt, indem sie dem Kind durch eine Kind-zentrierte vorsprachliche Vorgehensweise dabei hilft, durch Bewegung ins eigene Tun mit den Händen zu kommen, Struktur zu erleben und auf diese Weise kognitive Grundlagen aufzubauen.

Excerpt aus dem Buch: Mit autistischen Kindern lernen zu lernen. Sibylle Janert, Okt. 2026, Reinhardt Verlag, München HIER bestellen

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